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| dtv - Atlas Baukunst I. Allgemeiner Teil: Baugeschichte von Mesopotanien bis Byzanz. von , ,
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Unter dtv-Standard
• • • • • (bewertet mit 2 von 5 Punkten)
Rezension bezieht sich auf: dtv Atlas Baukunst Bd. 2. Baugeschichte von der Romanik bis zur Gegenwart (Taschenbuch) Ich halte beide Baende des dtv-Atlas zur Baukunst aus mehreren Gruenden nicht fuer gelungen.
1. Entgegen dem Titel ist das Werk eurozentrisch. Die mesopotamische und altaegyptische Architektur werden auf bloss 50 (von 600) Seiten abgehandelt und dient wohl nur als Propaedeutikum fuer die okkzidentale Baugeschichte (Einfuehrung der fundamentalen Konzepte wie Palast, Tempel, Haus, etc.). Byzantinische Architektur wird trotz anderslautendem Titel nur bis zu Justinian I. (527-565) behandelt, die anderen 900 Jahre byzantinischer Geschichte fallen unter dem Tisch. Islamische, indische, chinesische Baukunst sowieso nicht behandelt.
2. Das Bemuehen des Autors um eine begrifflich Exaktheit fuehrt dazu, dass seine Sprache anschauungslos und dem Laien unklar bleibt. Beispiel: " Dem Aufbau des Raumes aus Teilraeumen entspricht der des Baukoerpers aus Teilkoerpern." (Bd. I, S.315). Alles klar? Auch sein dialektischer Ansatz ist zwar lobenswert, verliert sich aber oefters in Platitueden ohne Aussagekraft: "Die Einheit der Aegaeis besteht in der Uebereinstimmung der Geologie, des Klimas, der Wirtschaft, der Religion. Sie wird ueberlagert von der Vielfalt der Einzellandschaften." Aha, also zeichnet sich die Aegaeis durch Einheit und Vielfalt zugleich aus...was eigentlich nicht?
3. Die BauTECHNIK kommt zu kurz. Damit aber bleibt ein Teil der europaeischen Architekturgeschichte dem Leser notwendigerweise verschlossen. Wer sich also z.B. fragt, warum der gotische Spitzbogen den romanischen Rundbogen ersetzte (naemlich aufgrund erheblicher statischer Vorteile), wird entsprechend der Beschraenktheit des Ansatzes des Autors primaer keine technische, sondern 'nur' eine kuenstlerische Antwort finden.
Folglich werden die Ingenieurleistungen der Roemer (Aquadukte und Brueckenbau) auch nur oberflaechlich behandelt.
4. Ex Frankreich lux. Der Autor zeigt MMN einen ueberholten Frankophilismus, dem ja in der alten BRD mit ihrem Wunsch nach Westbindung bekanntlich besonders gefroent wurde. Ob Gotik, profaner Barock oder Rokoko, alle Architekturstile entsprangen westlich des Rheins, England ist stets blosser Rezipient, Spanien wird kaum behandelt, alles oestlich der Elbe und suedlich des Ostseeraums gar nicht. Und Deutschland darf sich aussuchen, ob es mehr dem italienischen oder dem franzoesischen Beispiel folgen mag.
5. Die 'systematische' Struktur des 2. Bandes kann man nur als misslungen bezeichen. Hier haette man besser auf altbewaehrte Weise nach den einzelnen Stilepochen sortieren sollen. So aber findet man sich als Leser blaetternd und blaetternd wieder...
Nur 2 von 5 Punkten, da man ja gerade von dtv eine Reihe von hochklassigen Atlanten zu Geschichte, Philosophie und Literatur gewoehnt ist und Aehnliches auch hier erwarten koennte. Deshalb wuerde ich bei 'Baukunst' auch von einem Blindkauf ohne vorherige Einsicht abraten.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 2. März 2006 | | |
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